| Samstag, 10. Februar 2001, Niendorf / Ostsee |
|
|
|
| Es sollte ein ganz normaler Tauchgang werden. UCT-A Tim und Froschmann
Rehlein parken das unglaublich martialische Einsatzfahrzeug unweit des Schiffsanlegers in
Niendorf. Zum Entsetzen beider Taucher bricht während des Umziehens die Sonne durch die
Wolkendecke. Die Ausrüstung ist schnell klariert, UCT-Anwärter Tim begeistert den
kritisch beobachtenden Froschmann durch Eleganz und Geschmeidigkeit, mit der er sich in
den engen Naßanzug manövriert. Unnötig zu erwähnen, daß auch der Einsatzleiter im
Naßtauchanzug, Modell Eckernförde, unterwegs ist. Schließlich liegen die
durchschnittlichen Wassertemperaturen über 2°C. |
 |
|
|
| Langhaarige Bombenleger oder militante Nichttaucher müssen in einer
Nacht- und Nebelaktion sämtliche Bohlen des Anlegers demontiert haben. Auch das
scheinheilige Schild "Anleger gesperrt" kann über diesen Anschlag nicht
hinwegtäuschen, wird es sogar noch durch die hämische Beschilderung "Betreten auf
eigene Gefahr" auf geradezu erniedrigende Weise verballhornt. Selbstverständlich
wird die eigene Gefahr von den beiden unerschrockenen Helden ohne Zögern in Kauf
genommen. Über glitschige Träger aus Beton und bemöwenkotete Geländer bahnen sich
beide den Weg zum Ende des Anlegers. Schließlich wartet dort ein lustiger Sprung aus 2,5
Meter Höhe in das nur 1 Meter tiefe Wasser. |

|
|
|
Zur allgemeinen Enttäuschung ist das Wasser doch ca. 3 Meter tief, so
kann die Übung "Seitliches Abrollen mit voller Ausrüstung" nur unter stark
erleichterten Bedingungen absolviert werden. Die Einsatzausrüstung drückt mit ihrem
Gewicht beim Sprung auf die stahlharte Beinmuskulatur. In leicht gebeugter Gefechtshaltung
taucht kurz nacheinander der Einsatztrupp
in die schwer wiegende See. Die schwarzen Körper werden im Nu von der Dunkelheit
aufgenommen. Schon überspülen die Wellen unsere beiden Helden und nichts läßt auf ihr
Dasein schließen. Über ihren Einsatzauftrag kursieren abenteurliche Gerüchte. Es ist so
geheim, dass selbst ihr
Nachbar am Ende der Straße reine Unwissenheit vorspielt, nur um nicht ... Der Grund wird
akribisch nach Schätzen abgesucht, schon bald hat der Anwärter ein nahezu neuwertiges
Messer entdeckt. Auch ein 7,23 m langes Teil wird mit Hingabe entknotet und von Muscheln
befreit, sicher wird es in Tim's Pferdestall noch ausgezeichnete Dienste verrichten. |

|
|
|
| Nach etwa 45 Minuten (an dieser Stelle darf man noch einmal die
Naßanzüge erwähnen) macht sich die Rotte langsam auf den Rückweg. Eine am Grund
liegende, mit Muschaln bewachsene Tasche erweckt zunächst nur wenig Neugier. "Hat
mal wieder jemand seinen Müll entsorgt", denken wohl beide. Trotzdem siegt der
Untersuchungsdrang und die Tasche wird geöffnet. Während im Hauptfach zunächst nur eine
leere Cola-Flasche zum Vorschein kommt, befindet sich in einem kleinen
Reißverschlußtäschchen eine Geldbörse mit Personalausweis und diversen EC-Karten.
Bargeld ist nicht enthalten. Nur ein hoffnungsloser Optimist mit einem unerschöpflichen
Glauben an die Ehrlichkeit der Menschheit wittert hier kein Verbrechen. |

|
|
|
| Die Tasche ist schwer und wird mit einem mitgeführten Hebesack geborgen.
Um die am Strand spielenden Kinder nicht zu erschrecken, steigt Rehlein kurz vor dem
Auftauchen auf das offene System um und kündigt somit sein Kommen mit entsprechenden
Luftblasen an. Tim konnte aufgrund seines außerordentlich geringen Luftverbrauches auf
ein geschlossenes Kreislaufsystem verzichten. Als die Tasche am Einsatzfahrzeug etwas
näher untersucht wird, finden die beiden Helden eine ganze Sammlung von Schlüsseln,
Uhren und Geldbörsen, die im braunen Ostseeschlamm kein wirklich hübsches Bild abgeben. |

|
|
|
| In einer naheliegenden Lokalität wird die weitere Vorgehendweise
besprochen. Da das Tagesgericht "Gebackene Thunfischöhrchen an kleinen Möhrchen mit
gratiniertem Broccoli" nicht dem klassischen Après-Dive-Standard entsprechen, bleibt
es bei einem Pfefferminztee, bzw. einer heißen Schokolade. Ein Anruf bei der Polizei in
Timmendorf wird mit einem einminütigen Freizeichen belohnt. "Vielleicht haben die
gerade Mittagsruhe", vermuten die beiden tapferen Finder. Die Meldung an die
Behörden wird damit auf kommenden Montag vertagt. Vielleicht hat die Kripo in Lübeck ja
wenigstens einen Anrufbeantworter ... |

|
|
|
| Bei der obligatorischen Cuwu-Po ro/we im Hafen von Niendorf kann der
Einsatz als erfolgreich abgeschlossen definiert werden. Der UCT-A Tim hat seine
Fähigkeiten beeindruckend unter Beweis gestellt. Der achtfache Salto mit halber Schraube
beim Sprung vom Anleger hat dieses Bild in angenehmer Weise abgerundet. Um ihn bei der
Prüfung nicht zu langweilen, wird er das Zelt wohl apnoe mit einer Blindmaske aufbauen
müssen ;-) |
 |
|
|
| Montag, 12. Februar 2001, HQ des UCT Die
Lübecker Polizei ist zwar offenbar nicht zuständig, trägt jedoch zur Lösung der
Übergabe bei, indem sie an die Polizei Hamburg verweist. Diese gibt sich wenig kooperativ
und ist zunächst nicht bereit, den Fund abzuholen. "Da müssen 'se schon selber
kommen, für sowas haben wir keine Zeit", heißt es zunächst aus dem Revier 4711
(Name von der Red. geändert). Nachdem jedoch Rehlein seinen Froschmann Dienstgrad
wiederholte, waren innerhalb von drei Stunden zwei freundliche Beamte ganz ohne
Begeisterung und mit noch weniger Lächeln bereit, das bereits geschnürte Paket
entgegenzunehmen. Da wird es dem ehrlichen Bürger wirklich leicht gemacht, eine Fundsache
beim nächsten Mal einfach in den Müll zu werfen ... |
das haben wir lieber nicht
weiter dokumentiert ... |
|
|
|
|