| Sommer
2007: Während einer seiner nächtlich
Aufklärungsrunden stand Froschmann Xaver eines Tages im Naturschutzgebiet
Höltigbaum vor einem ominösen Zaun. Mitten zwischen sonderbar anmutenden
Langhaar-Rindern wuchs ein Areal aus dem sonst ebenen Gelände und schien ein
Geheimnis zu verbergen. Die Anzahl der grauenhaften Mutmaßungen und
Erkenntnisse steigerte sich mit der Dauer der Recherchen und weiteren
Aufklärungen. Da Schlimmstes befürchtet werden musste, kam in der Vorbereitungsphase
der Mission kam wie so oft TEK Knut zum Einsatz. Der ausgebildete
Kampfmittelsuch- und -entschärfhund sollte gewährleisten, dass die
Männer ungehindert von Sprengfallen in das Operationsgebiet eindringen
können. |
 |
|
|
| Auswertungen der Satellitenaufnahmen
von FROGSAT 11 und feinfühlige Gesprächsaufklärung vor Ort mit Einheimischen
bringt zutage, dass es sich offenbar um Munitionsbunker handelt, die nun ein
"Umweltschutzverein" für seine Zwecke nutzt. Zwischen den Zeilen der
ortskundigen Alten kann man jedoch heraushören, dass hier wehrlose
Heidschnuckenböcke von ihren Frauen getrennt werden, um ihnen das verbriefte
Recht auf ungehemmte Fortpflanzung zu verwehren. Andere sprechen sogar von einer
Sekte oder einem Geheimbund, dessen Gefährlichkeit irgendwo zwischen den
Illuminaten und den Mainzelmännchen liegen soll. Teilweise ist sogar die Rede davon,
dass Fledermäuse in dunklen Gewölben gefangen gehalten werden, um sie bei
Vollmond mit Portwein und Wasabi zu verspeisen. Doch Froschmann Xaver hat den
Schwindel lange durchschaut, denn all diese Schauergeschichten sollen nur davon
ablenken, dass in Wahrheit in einem der Löschwasserbunker das legendäre
Bernsteinzimmer verborgen liegt und dort in aller Heimlichkeit von Hamburgs
Oberbürgermeister und dessen Lebensgefährten bewohnt wird. |
 |
|
|
| Kurz
nach Weihnachten 2007: Froschmann Rehlein
liegt in einem Waldstück nahe des Zielobjektes eingegraben und wartet auf seine
Kameraden Xaver und Yun. Seit Stunden beobachtet er in eisiger Kälte die
Umgebung um auszuschließen, dass das Einsatzkommando der Froschmänner beim
Einsickern in das stark gesicherte Gebiet von gegnerischer Seite aufgeklärt wird. Aus dem Funkgerät
kommt nur hin und wieder ein leises Rauschen. Sekundengenau zum vereinbarten
Zeitraum meldet sich Xaver auf Kanal 1 und kündigt die Ankunft der beiden
Kameraden an. Rehlein bleibt in seinem LUP und lässt die Männer an sich
vorüber gehen, die sich trotz des schweren Gepäcks lautlos durch das unwegsame
Gelände bewegen. So kann er ausschließen, dass die beiden Froschmänner
verfolgt werden und sich den beiden Kumpanen schließlich zu erkennen geben. |
 |
|
|
| Unter gegenseitiger Sicherung
gelangen sie einige Minuten später in das Einsatzgebiet und verbringen sofort
ihre Ausrüstung an einen versteckten Platz. Unmittelbar danach wird der
komplette Sicherheitsbereich aufgeklärt, wobei die Männer feststellen, dass
eine Vielzahl der oberirdischen Bunker verschlossen ist. Vegetiert hier hinter jeder Tür in
der Dunkelheit ein einsamer und fast verhungerter Heidschnuckenbock? Oder werden hier die
gutaussehenden Praktikantinnen aus Ghana gefangen gehalten, von denen Rehlein in der
Onlineversion des Hamburger Abendblattes gelesen hat? Die Vorstellung dieser
Grausamkeiten geht auch an einen hartgesottenen Froschmann nicht spurlos
vorüber, darum brauchen die Helden unbedingt etwas Abstand und eine kleine
Pause bei Dominasteinen und Dosensuppe. Zuvor müssen jedoch noch beide
Löschwasserbunker voraufgeklärt werden, die randvoll mit eiskaltem Wasser
gefüllt aber nicht verriegelt sind. Dabei kommt es fast zu einem
verhängnisvollen Zusammenstoß mit Zivilisten außerhalb des Geländes.
Rehlein kann seine Entdeckung nur mit einem beherzen Sprung zu Boden
verhindern. Es wird für alle wirklich Zeit, sich ein paar Minuten Pause
zu gönnen, denn durch den ständigen Druck beginnt man irgendwann, Fehler
zu machen. |
 |
|
|
| Die warme Mahlzeit und die
Gemütlichkeit im karg eingerichteten Lagerplatz wirkt sich positiv auf den
psychischen Zustand der Männer aus. Da langsam die Dämmerung einsetzt,
bereitet das Team sich vor, die stark verrammelten Gebäude der Eingangswache
von außen zu
inspizieren. In einem verwahrlosten Holzschuppen findet Rehlein die Gebeine
eines mutmaßlich ermordeten Heidschnuckenbockes. Man kann dem ausgeblichenen Schädel noch
die Qualen ansehen, die das Tier gelitten haben muss. Yun legt seinem Freund
kameradschaftlich die Hand auf die Schulter, die ihm sagen will: "Ich
weiß, was Du durchmachst". Doch Rehlein verkneift sich seine Tränen. In
einem solchen Einsatz ist kein Platz für Gefühle. Er muss für seine Kameraden
da sein, wenn es die Mission erfordert, die erfahrungsgemäß keinen Spielraum
für Emotionen lässt. |
 |
|
|
| Das komplette Areal ist aufgeklärt.
Es wird Zeit für die obligatorische Beute, die sich mit Händen und Füßen in
Form eines verrosten Zimmermannnagels gegen die Mitnahme sperrt. Während
Rehlein mit seinem F1 versucht, die Beute zum Mitkommen zu überreden, gelingt
es Ali, sich nahezu geräuschlos an das Team heran zu schleichen und Xaver sanft
einen rasiermesserscharfen Gegenstand an die Kehle zu legen, der sich später
als Knoblauchbaguette entpuppt. Der vierte Mann ist angekommen, das Einsatzteam
ist komplett. Rehlein gibt seinem Freund einen kurzen Bericht über die
bisherigen Geschehnisse, damit auch dieser die Gefahr richtig einschätzen
kann, in der sich alle befinden. |
 |
|
|
| Froschmann
Xaver ist ungewöhnlich erwartungsvoll ob der Tauchgänge in den
Löschwasserbunkern. Entgegen seiner sonstigen Gewohnheiten hat er heute
eine verschließbare Neoprenjacke dabei, obwohl ihm der Gedanke auf einen
Warmduschertauchgang sichtbar zuwider ist. Doch noch heute sind ihm die
aufdringlichen Anfragen der Groupies im Gedächtnis, als Folge des
Missionsberichtes der Operation Bunkerwasser. Gelüste der Damenwelt, mit
der Zunge in Xavers wohlgeformten Bauchnabel kreisen zu dürfen, waren
noch die harmlosesten Anfragen. Als sich Xaver nach Einbruch der
Dunkelheit gerade um den ersten Bunker kümmern will, erreicht die
Einsatzgruppe ein Funkspruch auf Kanal 1. |
 |
|
|
| MBE
Trets, stets gut informiert über die Vorhaben des UCT, bittet um Einlass
in das Sperrgebiet. Da er nicht wissen kann, wo die Männer das Gelände
mit pyrotechnischen Stolperfallen gesichert haben, ersucht er um einen
Guide, der ihn und seine Begleitung sicher zum Einsatztrupp geleitet.
Froschmann Ali ist der perfekte Mann für diese Aufgabe, denn seine
Fähigkeiten, sich bei absoluter Dunkelheit völlig sicher und lautlos zu
bewegen, sucht im UCT seinesgleichen. Seine Fähigkeiten als leisester
Anschleicher im Pfadfinderlager hat er in den letzten dreißig Jahren zur
Perfektion gebracht. Wenn jemand unseren unverhofften Gästen sicheres
Geleit durch dieses schwierige Terrain garantieren kann, dann er. |
Dunkelheit,
fotografieren unmöglich! |
|
|
| Als
die Besucher am Bunker eintreffen, steigt Xaver gerade hinab in die dunkle
Tiefe. Oben sichern die Kameraden den Einstieg, so dass sich nicht wieder
jemand mit einem Baguette an die Männer heranschleichen kann. Trets
nimmt sofort seine schon oft bewährte Funktion als MBE (MissionsBerichtErstatter)
auf. Seine Begleiterin scheint beeindruckt von Xavers Kühnheit, versucht
aber, sich dies nicht anmerken zu lassen. Sie weiß um die professionelle
Distanz, die bei den Froschmännern stets gewahrt bleibt und passt sich
dieser Situation verständnisvoll und gekonnt an. Mittlerweile ist Xaver
im kilometerlangen Bunkersystem verschwunden und auf sich allein gestellt.
Wenn seine gutgewartete Ausrüstung dort unten wider Erwarten versagen
sollte, gibt es für ihn keine Rettung mehr. Dann kann ihn auch sein
Kamerad Yun nicht mehr retten, der mit sorgenvollem Gesicht Kilometer
um Kilometer der Sicherheitsleine abspult. Nach einer Weile
taucht ein, von der Architektur des Tunnelsystems sichtlich beeindruckter
Xaver, wieder auf. |
 |
|
|
| Lautlos
und unsichtbar gleitet die mittlerweile auf sechs Personen angeschwollene
Truppe zum Eingang des zweiten Bunkers. Xavers Aufklärungstauchgang
konnte keine Verbindung zwischen beiden Systemen bestätigen. Ebenfalls
gab es keine Spuren eines Bernsteinzimmers. Auch ein persönlicher
Gegenstand des Oberbürgermeisters konnte nicht gefunden werden. Nun gilt
es als sicher, dass sich also das gesuchte Zimmer nebst Bewohnern hinter
der zweiten Stahlklappe verbergen muss. Die Anspannung wächst ins
unermessliche. Xaver, der seine Ausrüstung für die Verlegung nicht
abgelegt hatte, steigt unter Berücksichtigung aller Gefahren in den
zweiten Eingang. Sekündlich erwarten die Männer einen Schrei oder
Ausruf, der "Ole, hier kommt Dein bestellter Gummibursche" oder
ähnlich lauten könnte. Doch nichts dergleichen geschieht. Nur das
Blubbern der aufsteigenden Luftblasen aus dem eiskalten Wasser zerreißt
in zweiminütigen Abständen die Stille. Xaver erfüllt seinen Auftrag,
irgendwo im Bunker die Visitenkarte des UCT zu hinterlassen. |
 |
|
|
| Auch
dieser Tauchgang fördert keinen Schatz zutage. Die Männer vermuten, dass
die Katakomben erst vor kurzem panikartig ausgeräumt wurden. Doch warum?
Wer konnte von dieser Operation wissen? Gibt es einen Maulwurf im UCT?
Eine undenkbare Vorstellung, die alle für eine Viertelsekunde erschaudern
lässt. Wem kann man noch trauen? Und warum? Hat der BND seine Finger im
Spiel? Gibt es das sagenumwobene Bernsteinzimmer überhaupt? Oder ist alle
nur ein Irrtum, der sich auf ein Missverständnis stützt. Hat irgendwann
jemand im falschen Moment anstatt "Bernd sein Zimmer"
unglücklicher Weise "Bernsteinzimmer" verstanden und damit eine
weltweite Suche ausgelöst, die nun in diesen Tauchgängen gipfelte?
Handelt es sich bei Bernd seinem Zimmer eventuell lediglich um eine
muffige Studentenbude bei einer noch muffigeren alten Dame, ausgestattet
mit einer abgewetzten Sperrholzkommode und einem quietschenden
Stahlrahmenbett, dessen Matratzeninhalt für die Zeugung der Bevölkerung
einer Kleinstadt ausreichen würde? |
Foto
von Bernd seinem Zimmer
nicht verfügbar |
|
|
| Die
Männer beschließen, all diesen Fragen auf den Grund zu gehen - später.
Denn es ist Zeit für das Abendessen. Auf einem Esbitkocher knistern leise
ein Feuerchen aus winzigen Reisigzweigen, denn für ein richtiges
Lagerfeuer ist das Gelände nicht sicher genug. Die Einsatzgruppe will auf
jeden Fall vermeiden, außerhalb des Zaunes von einem Gassigänger
aufgeklärt zu werden. Gegen 23 Uhr geleiten die Helden des UCT ihre
Gäste durch das gesicherte Gebiet zurück zum Zaun. Für Untrainierte
wäre es gefährlich, die Nacht hier zu verbringen. Zumal Ali
mitgebrachter Sommerschlafsack kaum Reserven für einen zweiten Schläfer
bietet. Als das Team wieder unter sich ist, fällt die Anspannung langsam
von den Männern ab. Zeit für Heiabutzi! |
 |