UCT
Barfuß bei Windstärke sechs

 

 

-- Sommer ´98 -- amphibische Mission -- Seekajak -- Ziel : unklar -- Motivation:hoch --

 

11:00

UCT-Team 1, verbringt die Kajaks per KFZ zum Einsetzort : Travemünde
Abladen und Aufrüsten der Boote geschieht in schweigsamer Konzentration.
Jeder Handgriff muß sitzen, ein nächlässig gebundener Knoten könnte den
Verlust der gesamten Cognak-Vorräte bedeuten.

11:30

Ein letzter Uhrenvergleich, ein kerniges Nicken und dann der entschlossene
Aufbruch zum unbemerkten Einsetzen.

11:31

Das unbemerkte Einsetzen mißlingt total! GRUND : Travemünder Woche!!

11:32

In bester UCT-Tradition wird der vermeintliche Nachteil sofort
und nachhaltig in einen Vorteil verwandelt. Das
Team, gewohnt sich
nur in Dunkelheit und trübem Wasser zu bewegen, lernt innerhalb von
Minuten mit den bewundernden Blicken der über 100 Zuschauer fertig
zu werden.

13:50

Später als geplant kann das Team die Verabschiedungszeremonie beenden.

Um anwesende feindliche Agenten in die Irre zu führen, wird das Etappenziel
Malmö angegeben.

Beim Auslaufen legt das Team großen Wert darauf, den Eindruck zu erwecken
etwas vom Kajakfahren zu verstehen. Dies gelingt auch problemlos, bis an der
Hafenausfahrt ein gefährlicher Seegang einen Vorgeschmack auf das zu Erwartende
vermittelt.
Doch da sind die neu geworbenen UCT-Groupies gottlob längst ausser Sicht.

15:00

Erster Stop zur Routenplanung. Es wird beschlossen dem Weg über die Bucht
den Vorzug vor der Küstenlinie zu geben. Er wird weit auf See führen und birgt
alle Gefahren und Herausforderungen, die ein UCT zum Leben braucht wie die
wöchentliche Pediküre.

Der Stop kostet das Team leider eine nachlässig getragene Sonnenbrille.

20:00

5 Stunden übermenschlicher Anstrengung bringen das Team in die Nähe des
ersten geplanten Biwaks und zu der Erkenntnis, daß das Seekajak sich nur bedingt
zur menschlichen Fortbewegung eignet.

Lautlos gleiten die Boote, messerklingengleich, auf den Strand.
Innerhalb von Sekunden sind sie, durch mitgeführte Tarnnetze den Blicken
entzogen und nur wenig später verrät ein leises "plop" , daß hier die Elite
der Unterwassercamper bei einer Flasche Barolo um ein rauchloses
Kochfeuer sitzt .

Eine kleine rostige Tonne wird von den Överlevnads-Expertan sofort
zu einem tauglichen Kanonenofen ausgebaut, das Trocknen der
Kleidung ist schnell erledigt und ein exzellentes Wildgulasch(mitgeführt
nicht selbsterlegt) rundet einen erfolgreichen Missionstag ab.

Das Wetter ist Scheiße. Regen, Kälte,Regen, Wind und Regen. Meist regnet es.

Zelte werden im UCT-Fundus nicht vorrätig gehalten. Es wird nur mit
Tarp und Biwaksack gearbeitet. Die Aurüstung wird in den Booten und
unter Tarps gelagert, das Team liegt in Biwaksäcken am Strand und
ahmt die Körpersprache der plattschwänzigen Zwirbelrobben nach.
Dadurch verschmelzen sie praktisch mit ihrer Umgebung und bis in
den frühen Tag hinein, erscheint der Strandabschnitt menschenleer.

05:00

Oberkampfbademeister Rehlein gelingt es, nur mit einer Handvoll nassem Sand
ein fröhliches Feuer im Ofen zu entfachen. Wenig später schüttet das Team
bereits angewiedert den löslichen Kaffee in den Sand, reißt die Netze von den
Booten und treibt die schlanken Kajaks mit kräftigen Paddelschlägen hinaus
in die fast meterhohen Wellen der grausamen Ostsee.

Missionsziel des Tages : Einen vorher im GPS markierten Punkt möglichst
genau zu erreichen. Das Wetter bleibt unberechenbar, der Regen steht fast
waagerecht. Dennoch gelingt das unwahrscheinliche : um genau 10:35:03
wird der markierte Punkt erreicht.

Zeitgleich reißt dem ObKmpfBdm das rechte Steuerseil.
Hilflos treibt das Boot in der rauhen See, ein Spielball der Elemente.

Anfangs wird beschlossen die Mission nicht zu gefährden und ihn zurückzulassen
aber Kameradschaft geht dem UCT noch über Dosenbier und so wird mit Hilfe
ausgefeilter Stütztechniken und esoterischer Knotenkunde die Situation gerettet.

Der ObKmpfBdm ist zu dieser Zeit kaum ansprechbar, er hatte gemäß der
Dienstvorschrift versucht sich durch die Einnahme von 3 Ibuprofen800 der
drohenden Gefangenschaft zu entziehen.

15:00

Der Wellengang und der Zustand des Teams erzwingen ein ungeplantes
Landen.

3 Stunden bleibt das Team im Schutz der Boote am Strand, dann zwingt der
Zeitplan die erschöpften Männer wieder hinaus in die Hölle aus Wind, Wellen und
nassen Füßen.

 

22:00

Endgültiger Lagerplatz wird eingerichtet, ein stärkendes Labskaus gekocht
und langsam scheint das letzte Missionsziel wieder greifbar und möglich:

Heldenhaftes Einlaufen in Travemünde.

22:10

Zapfenstreich, (die Robbe machen)

 

07:00

Der Tag beginnt mit dem üblichen Löslichen und vielen traditionellen
Flüchen auf das Wetter .

Entgegen der Herstellerversprechen wärmt Polartec nicht immer wenn naß.

11:30

Die Hafeneinfahrt von Travemünde.

Wir beschließen, bei unserer Tarn-Geschichte zu bleiben

und melden uns aus Malmö zurück.

 

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