UCT
Operation "Wallhalla"
| Zum ersten Mal steht das Underwater Camping Team im Dienste der Kunst. Wie der aufmerksame Leser vielleicht schon erfahren hat, wird das UCT die Ätherischen Chonifeen im Sommer 2001 bei der Revue "Some like it Wall" in Bremen taucherisch unterstützen. Im November 2000 trafen sich die Chonifeen mit Froschmann Rehlein im HQ einer Kontaktagentin in Nähe der Bremer Innenstadt zur Einsatzbesprechung ... | |
| Sonntagmorgen, 10:00 Zulu-Time Eine Gruppe, bestehend aus Künstlerinnen der Chonifeen und einem Froschmann, tritt vor dem Büro der Kontaktagentin zusammen. Getarnt als eine Gruppe frierender Touristen stellen Sie die Flexibilität der Kontaktfrau auf die Probe und erscheinen einfach 30 Minuten vor dem verabredeten Termin. Die Flexibilitätsprobe scheitert, die Agentin ist pünktlich, der versprochene Kaffee muß erst noch gekocht werden. Mühsam werden Stühle für die anwesenden Akteure zusammengesammelt, die Gastgeber können jetzt noch nicht wissen, daß eine große Plauderei den gesamten Verlauf der Operation gefährden könnte. Das Zeitfenster von 90 Minuten verringert sich rasant! |
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| 10:30 Die Gruppe macht sich verstohlen auf zum Einsatzort. Die vorbeigehenden Spaziergänger ahnen nicht, daß sie hier nur knapp einer Gruppe Elite- sängerinnen entkommen. Das Zielgebiet direkt vor dem Sozialgericht ist dank sorgfältigster Routenplanung schnell erreicht, das Einsatzfahrzeug ist bereits vor Ort. Zwischendurch trifft die Gruppe auf die verbündete Eleonore Schlotterbeck, die zwecks perfekter Tarnung sogar Mann (Anm. d. Red.: Es handelt sich hier, wie damals noch niemand wußte, um den UCT-A Haubentaucher!) und Kind mitgebracht hat. Froschmann Rehlein bestimmt unter engster Zusammenarbeit mit Vendetta de Freeze den Einstiegsplatz. |
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| 10:50 Der heroische Taucher hat sich unauffällig in Windeseile auf den bevor- stehenden Tauchgang vorbereitet, der gestählte Körper wird in den fast noch brandneuen Poseidon Jetsuit verbracht, UCT-Anwärterin und gleichzeitige Chonifee Anni McMefferton schließt sorgfältig den Anzug, ohne Rehleins gewaltiges Rückenhaar in den Trockenreißverschluß gelangen zu lassen. Eine Prozedur, die sie nach Jahren des harten Trainings im Schlaf beherrscht. Zum Einsatz kommt heute nur das Semistealth-Equipment, eine mattschwarz lackierte Flasche, die weder das Sonnenlicht reflektiert noch einen verräterischen Schatten über dem schlammigen Grund hinterläßt. Da es sich hier um einen Solotauchgang handelt, wird aus Sicherheitsgründen auf das geschlossene Sauerstoff-Kreislaufsystem verzichtet. |
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| 10:55 Die Ausrüstung ist komplett angelegt, der sorgsam ausgewählte Einstiegs- platz wird unauffällig aufgesucht. Die Akteure rechnen mit einer Sicht von max. 10 cm und einer Wassertiefe von 2-3 Metern. Die Künstlerinnen versperren den Spaziergängern die Sicht, in dem Sie eine Gruppe frierender Entenfütterer nachahmen. So kann der Froschmann fast unbehelligt das Wasser erreichen. Um eventuellen Beobachtern den Eindruck zu vermitteln, es handele sich hier um einen einfachen Sporttaucher, zieht der Froschmann mit gespielter Ungeschicklichkeit seine Flossen an, wobei er mehrmals scheinbar das Gleichgewicht verliert. Um die Tarnung abzurunden, eilt Vendetta de Freeze mit perfekt aufgesetztem Helferinnenblick zur Umfallstelle. |
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| 11:15 Die Sicht entpuppt sich als außerordentlich gut, fast 2 Meter werden erreicht. Der Grund ist schlammig, die befürchteten Einwegspritzen bleiben jedoch aus. Mit einem ausgeklügelten Suchmuster taucht der Froschmann nun den Grund ab, auf dem sich im Sommer 2001 die Ätherischen Chonifeen während Ihrer Revue bewegen werden. Bei dem Gedanken, daß die Synchronschwimmerinnen mit großer Wahrscheinlichkeit bis zur Hüfte im Schlamm stecken werden, läßt sich trotz größter Konzentration des Tauchers eine grinsende Bewegung der Mundwinkel nicht vermeiden, was sofort mit einem massiven Wassereinbruch in der Maske bestraft wird. Nachdem das Gebiet fast flächendeckend abgetaucht ist, erhält der Taucher von Anny McMefferton weitere Instruktionen; der Bereich vor einer Uferbefestigung soll noch einmal gründlicher Untersucht werden. |
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| 11:50 Die Sicht im Planquadrat C ist mittlerweile aufgrund der Flossenschläge im 2,5 Meter tiefen Wasser drastisch zurückgegangen. Trotzdem schwimmt er Taucher mit einer beachtlichen Geschwindigkeit durch dunkle Wolken von aufgewühltem Sediment. Als er gerade aus einer solchen alles verschlingenden Wolke heraustaucht, taucht plötzlich vor ihm eine große Unebenheit auf. Aufgrund der hohen Geschwindigkeit ist kein Ausweichen mehr möglich, es bleibt nur der gerade Weg durch den Schlammhügel. Im Gedanken Hans Albers' "Hoppla, jetzt komm' ich ..." pfeifend ist Rehlein jetzt nur auf seinen Tastsinn angewiesen, ein Ablesen des Kompasses ist nicht mehr möglich. Doch wer die Taucher des UCT kennt weiß, daß auch absolute Nullsicht keine ernstzunehmendes Problem darstellt. |
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| 12:10 Mittlerweile ist jeder Zentimeter des Wallgrabenbogens abgesucht. Spaziergänger wundern sich über die aufsteigenden Luftblasen, wissen diese nicht einzuordnen. "Für einen Fisch sind die Blasen aber zu groß", hört Dotty Volcano eine ältere Dame zu ihrem Gatten sagen. Die beiden können ja nicht ahnen, was sich dort unter der spiegelnden Wasserfläche im tiefen Schlamm abspielt. Die vielen Möwen haben es längst aufgegeben, im brodelnden Strom der auftauchenden Luftblasen nach Eßbarem zu suchen. Um 12:15 kann die Operation erfolgreich beendet werden, was nur der außerordentlich gründlichen Vorbereitung und der phantastischen Mitarbeit der Chonifeen zu verdanken ist. Die Künstlerinnen gingen mit der Tarnung sogar so weit, daß Sie nach Beendigung des Tauchganges mit scheinbar blauen Lippen und schlotternden Gliedern am Rande des Wallgrabens standen. Es muß hier nicht erwähnt werden, welche körperliche Selbstbeherrschung hier gefordert war. Als Rehlein bei der abschließenden Einsatzbesprechung den Schlammhügel erwähnt, zeichnet sich allerdings doch ein gewisses Grauen auf seinem Gesicht ab ...
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