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Es ist der Freitagabend vor dem 4. Advent. Drei Männer in seltsamer Bekleidung sitzen mit einem debilen Grinsen in einer Pizzaria in Frankfurt/Oder. Sie sind kurz davor, in die größte sowjetische Bunkeranlage auf deutschem Boden einzudringen. Schaurige Geschichten ranken sich um diese Liegenschaft. Geschichten von gewaltbereiten Menschen aus der Frankfurter Rockerszene, die mit einem Kampfhund und Schlagstöcken bewaffnet das Areal vor Eindringlingen verteidigen. Selbst von Schußwaffen ist die Rede. Und alten Kombis. Und einem G-Modell mit roter Motorhaube. Waffen, deren Gefährlichkeit man gar nicht hoch genug einschätzen kann.

Es ist Neumond. Entgegen der Ratschläge von Ortskundigen setzen sich die Männer über den angeratenen Parkplatz hinweg. Diese Kraftfahrzeugabstellgelegenheit scheint verbrannt und so entschließen sich die drei Froschmänner, einen längeren Fußmarsch in Kauf zu nehmen. Die Froschmänner Rabe und Dako werden mit der Ausrüstung im Wald abgesetzt, während Rehlein das Einsatzfahrzeug weit abseits parkt. Das Vorauskommando legt im Wald ein SKT-Depot an, um im Notfall auf alles vorbereitet zu sein. Neben 60m Seil und einer Speläoleiter in 10m Länge findet noch eine Flasche Portwein und Ersatzmunition für den Jet-Protector Platz. Gemeinsam geht es dann zu Fuß ins Zielgebiet. Die Männer halten sich auf dem Weg. Bei Nacht wird hier niemand ohne Licht den Waldweg entlang fahren, die Vorwarnzeit im Falle eines Feindkontaktes ist also lang genug, um sich ggf. im Wald unsichtbar zu machen. Alles läuft wie geplant. Die Grundstücksumfriedung ist beschämend schlecht gepflegt. Lautlos und unsichtbar arbeiten sich die Männer durch lieblos verlegten Stacheldraht. Kurz darauf sind sie im Einsatzgebiet, die Sinne schärfen sich nochmals um Faktor 10 (nach UCT-Standardskala). Das was der Frontmann zu sehen bekommt, lässt ihm das ohnehin schon kühle Blut in den Adern gefrieren. In der Werkstatt neben dem Zielobjekt brennt Licht. Seltsame Geräusche hallen über das Areal, als würde jemand Wellblechplatten sortieren. Eine ungewöhnliche Zeit für solche Arbeiten, so kurz vor Mitternacht. Doch nichts davon kann den Vorwärtsdrang der Männer bremsen. Sie haben 500 km Autofahrt auf sich genommen und lassen sich jetzt nicht von einer schlampigen Illumination und ein wenig Geklappere von ihrem Vorhaben abbringen. Ihr Ziel ist "dreiviertel zehn", der Codename für den westlichen Eingang durch die Sanitärschleusen. Aufgrund eines fast sternenklaren Himmels beträgt die Sicht etwa einen Meter, deutlich mehr, als die Männer für eine sichere Fortbewegung benötigen. Jeder von ihnen hat fast 30 kg Ausrüstung auf dem Rücken, Seilzugangstechnik, Koch- und Schlafequipment, Birnenschnaps, Bio-Glühwein, Kameraausrüstung und Werkzeug. Es ist für den Leser sicher kaum vorstellbar, dass man diese ganze Ausrüstung lautlos durch schwieriges Gelände transportieren kann. Doch es ist wahr. Die Männer arbeiten sich mit winzigen Schritten vorwärts. Während das Standbein das gesamte Gewicht trägt, tastet das Spielbein den Boden nach etwaigen Löchern ab. So benötigen Rabe, Dako und Rehlein fast eine Stunde vom Zaun bis zum Eingang.

Nur wenige Handgriffe sind erforderlich und die Männer befinden sich im Objekt. Eine schnelle SMS in das Hauptquartier an Froschmann Mutter, dann geht es weiter auf die Suche nach einem Schlafplatz. Sie erkunden zunächst grob die ganze Anlage, um sich einen Überblick zu verschaffen. Die Rucksackgurte schneiden sich mehr und mehr in ihre starken Schultern. Doch der Schmerz ist des Froschmannes Freund, er hält ihn wachsam. Nach zweieinhalb Stunden fällt die Entscheidung, der Schlafplatz wird auf Deck 2,5 ausgewählt. Der Raum ist relativ sauber und weihnachtsrehleinwird für die nächsten 30 Stunden die ungemütliche Heimat der drei Froschmänner sein. Die Isomatten werden ausgerollt, die HLT (Hochleistungsteelichte) entzündet. Der sogenannte Landungsschluck wird ausgeschenkt, ein Birnenlikör der Marke Hirschkuss, der den drei Helden ein wohliges Lächeln in die müden Gesichter zaubert. Der Luxus wird perfektioniert, als Dako seinen Spirituskocher auspackt und den Bio-Glühwein zubereitet. Während der Aufwärmphase überraschen Rabe und Dako ihren Mitstreiter Rehlein mit einem Geschenk, das sie im EKZ in Frankfurt/O. erstanden hatten. Ein kleiner Engel, eine Duftkerze und ein paar Räucherstäbchen sollen Wohnlichkeit in das kalte Betonzimmer zaubern. Rehlein revanchiert sich mit einer mitgebrachten batteriebetriebenen LED-Lichterkette, die den Raum in ein zartes warmweiß taucht. Die Stimmung ist festlich und gegen 0300 kommt der Sandmann und beschenkt die Einsatzgruppe mit einem tiefen Bunkerschlaf.

Am nächsten Morgen um 0800 trinken Rabe, Dako und Rehlein ihren Morgenkaffee gemütlich in den Schlafsäcken. Das Frühstück fällt sparsam aus, denn Rabe hat das frische Brot aus Sicherheitsgründen im Fahrzeug zurückgelassen. Doch seine Kameraden sind ihm nicht böse, Sicherheit geht stets vor! Direkt nach dem Frühstück mit Zimtkeksen wird der Einstieg erneut überprüft, die Männer wollen wissen, ob sie noch alleine sind. Danach durchstöbern die Männer erneut aber ohne Gepäck die Anlage, um noch das eine oder andere Firlefanzfoto zu realisieren. Um 1800 zündet Dako seinen berühmten Spiritusbrenner und die drei Männer verzehren feinstes Steak mit Speckbohnen und Gorgonzolasoße für etwa sechs Personen. Lebensgefahr macht erfahrungsgemäss sehr hungrig. Nach diesem Festmahl beschliessen die drei satten Helden, noch einen gemütlichen Spaziergang zu den berühmten Tanks zu absolvieren. Diese Tanks wurdem in der aktiven Zeit des Bunkers als Trinkwasser- und Fäkalbehälter genutzt, es ist heute leider nicht mehr die Reihenfolge dieser beiden Verwendungen festzustellen.

Einem dramatischen Planungsfehler in der Getränkelogistik ist es anzulasten, dass die Herren mit einem Liter Glühwein, wenigen Schlucken Weinbrand und ein paar Gläschen Birnenschnaps über die restlichen Runden kommen müssen. Da auch das Fernsehprogramm nichts gutes voraussagt, ist gegen zwanzighundert Zapfenstreich, denn morgen in aller Frühe soll exfiltriert werden.

Sonntagmorgen 0300. Wie durch ein Weckerklingeln werden die Männer automatisch wach. Das brotlose Frühstück wird wiederholt. Rasch wird die Ausrüstung verstaut, der Raum feucht ausgewischt und der Rückweg angetreten. Rabe löst die Zugangssicherung des Schlafraumes mit deren Hilfe die drei Froschmänner jeden Eindringling rechtzeitig ausgemacht hätten. Die Treppen rauf, der Weg hat sich mittlerweile in die Synapsen eingebrannt. Frische Luft stömt durch die oberen Gänge. Das lautlose Öffnen der Tür und das hinausgleiten durch den Nato-Draht geschieht automatisiert. Gerade wollen die Männer in die Dunkelheit schleichen, da geht vor der Werkstatt ein Licht an. Ein bläuliches Licht, wie von einer LED-Taschenlampe. Sofort wird eine bodennahe Horchhaltung eingenommen. Keine bedrohlichen Geräusche. Langsames Auftauchen. Das Licht brennt noch, bewegt sich nicht. Es wird als bewegungsmeldergesteuertes Außenlicht identifiziert, das vermutlich von einer übermütigen Feldmaus ausgelöst wurde. Diese rücksichtslosen Tiere machen sich keine Gedanken darüber, dass ein Mensch durch einen solchen Schrecken sterben kann! Die Drei arbeiten sich durch den finstersten Morgen. Die Luft ist kühl und wird von einem leichten Wasserschleier durchwoben. Kein Mond, keine Sterne heute. Das Außenlicht geht aus. Finsternis wie eine Betonwand. Die sprichwörtliche Hand vor Augen unsichtbar. Doch Licht, selbst Rotlicht, kann in dieser Situation das Aus für die Mission bedeuten. Also schleichen die drei Männer ohne Sicht in die Finsternis und finden selbstverständlich trotzdem ihren Weg. Viele schöne Stunden gehen zuende.

Großer Dank gilt unserem Kontaktagenten mit dem Codenamen "OG", der uns liebevoll mit interessanten Details zur aktuellen Lage der Anlage versorgte.

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